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Zur Auswahl der Prosawerke

Von den vier im Titel genannten Autoren sollen folgende
vier Prosawerke Gegenstand eingehender Betrachtung sein:

 
 
    • Erich Loest: Es geht seinen Gang oder Mühen in unserer Ebene (1978)
    • Jurek Becker: Schlaflose Tage (1978)
    • Monika Maron: Flugasche (1981)
    • Christoph Hein: Der fremde Freund (1982)

Alle vier Romane bzw. Erzählungen liegen, was ihre Veröffentlichung betrifft, zeitlich dicht beieinander: sie erschienen nach der Ausbürgerung Wolf Biermanns (Nov. 1976). Die zeitliche Einordnung von literarischen Werken innerhalb eines (kultur-)politischen Rahmens wird genauso zu erklären sein wie der Hinweis auf 'Veröffentlichung'. Denn geschrieben wurde manches Buch viel früher. Was ein 'Druckgenehmigungsverfahren' um Jahre verzögerte, stand oft noch mittelbar unter dem Eindruck der Ereignisse aus dem Jahr ´76 und deren Folgen. Wenn besagtes 'Verfahren' auch verhinderte, erschienen die betroffenen Werke in westdeutschen Verlagen, wie hier im Fall Becker und Maron. Ein intendierter Rezipient brach weg.

Fritz-J. Kopka hatte beim rückblickenden Lesen von Jurek Beckers Jakob der Lügner geäußert, daß ein Systemwechsel diesem Buch nichts anhaben könnte, um ironisch fortzufahren: "Eine ganz andere Frage ist, was daran DDR-Literatur ist. Nur die Tatsache, daß sein Autor in der DDR gelebt und es in der DDR geschrieben hat? Das könnte, das müßte genügen, aber man kann weiter überlegen. Becker wollte einen Film aus dem Stoff machen, konnte damit aber nicht bei der einzigen Filmgesellschaft im Staat landen, so schrieb er den Roman, typisch DDR." [1] - Was macht DDR-Literatur aus? Ist allein vom 'autonomen Text' auszugehen oder ist sie untrennbar mit dem soziokulturellen Hintergrund 'DDR-Gesellschaft' verbunden? Folgendes Rezensionsfazit über Volker Brauns "Unvollendete Geschichte" als lediglich "modernisierte Romeo-und-Julia-Geschichte" legt letzteres nah: [2]

Man sieht: mit anderen Vorzeichen (konfessionelle oder soziale Unterschiede) ist das alles schon mal dagewesen. Trivial, banal? Zweifellos. Spielte die Geschichte nicht in der DDR, hätte sich kein Verlag in der Bundesrepublik bereitgefunden, sie zu drucken. Diese unvollendete Geschichte ist vollendeter Edelkitsch.

So will diese Arbeit im ersten Teil die Frage anreißen, was die Rahmenbedingungen für eine spezifische DDR-Literatur waren und welche Rolle innerhalb der DDR-Gesellschaft die Autoren dabei innehatten.

Der Titel der Arbeit mag suggerieren, daß die Romanhelden jener Zeit gegenüber dem Anspruch der Gesellschaft, sich unterzuordnen, ihre Individualität zwar verteidigen, dies aber nur nach "gescheitertem Kampf" durch den Rückzug aus dem öffentlichen Leben, insbesondere der Arbeitswelt, erreichen. Ob dieses angedeutete Bild des "Kämpfertyps" um der eigenen Identität willen für alle Protagonisten aufrechterhalten werden kann, wird in der Besprechung der vier Prosawerke näher zu untersuchen sein.

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